St. Barbara

Unsere Filialkirche St. Barbara an der Infanteriestraße 15 ist der Hl. Barbara geweiht.

St. Barbara – München

regelmäßig finden in St. Barbara Gottesdienste statt:

  • Sonn-und Feiertage 11.00 Uhr Gottesdienst
  • Freitag, 17.00 Uhr Friedens- und Versöhnungsgebet von Coventry

Weitere Termine sind dem Wochenblatt und dem Kalender zu entnehmen.

 

Geschichte der Barbara-Kirche

Die Geschichte der Kirche reicht zurück bis zum Ende des 19. Jahrhunderts.

Notkirche

Um 1900 war die Verlegung der Kasernen aus der Innenstadt zum Oberwiesen- und Marsfeld weitestgehend abgeschlossen. Auf dem Areal gab es mehrere Kasernen, so z.B. die „Luftschifferabteilung der königlich-bayerischen Armee (Barbar-/Ecke Hessstraße); die Eisenbahnerkaserne an der Dachauer Str. 126“. Auch die Straßennamen, manche Denkmäler und der Parklizenzbereich „Kasernenviertel“ erinnern noch heute daran.

Zur Sicherstellung der religiösen Betreuung der Soldaten wurde eine Kirche benötigt. So wurde die 1901 zur Unterbringung von Bekleidung errichtete Lagerhalle (sie reichte bis zur Hessstraße) zu Beginn des 1. Weltkriegs z.T. in eine Not-Kirche umfunktioniert.

 

Garnisonskirche

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Notkirche 1922/1923 durch Divisionspfarrer Balthasar Meier zu einer Garnisonskirche umgebaut. Die ursprüngliche Lagerhalle wurde verkleinert und das Obergeschoss bis zur Höhe der Orgel abgetragen, so dass sie den Charakter einer Hallenkirche erhielt. Insgesamt dürfte der Bau auf etwa 9 Millionen Mark gekommen sein. Jedoch klaffte während des Baustadiums eine erhebliche Lücke. Diese konnte durch eine Millionen-Spende des Hl. Vaters (Papst Pius XI) überwunden werden. Eine Inschrift erinnert noch heute daran.

Der Text auf der Marmortafel trägt folgende Inschrift: St. Barbara A-D 1922-23 erbaut 4.2.1923 konsekriert. Zum Gedächtnis ihren Wohltätern Pius XI. PPBalthasar MeierDiv. Pfarrer VNDerzb. geistl. Rat. Als Gründer K-Goebel-Bauerat als Erbauer Georg burtscher Klein Sedlitz in SA. Maurerstunde 25 Mark. Baubeginn/Bauende 1400 MKIII Koen 93. Die Inschrifttafel wird außerdem von folgendem Text einbegrenzt: Als Wohnen in den Hütten der Sünder viel leiber will ich als der Geringste im Hause meines Gottes sein.

 

Weihe

Die Kirche wurde am 04.02.1923 von Kardinal Michael von Faulhaber, dem damaligen Erzbischof von München und Freising geweiht. Die Weiheurkunde ist noch erhalten:

Text in lateinischer Sprache:
Anno Domini MCMXXIII die 4 mens. Februarii quae fuit Dom in Sexagesima in divitate Monachii
Ego Michael Cardinalis de Faulhaber Archiepiscopus Monacensis et Frisingensis consecravi ecclesiam hanc et altare
majus in ea in honorem S. Barbarae Virg. et Mart. et Reliquias Sanctorum Martyrum S. Pacifici, S. Justi et S. Columbae
in eo inclusi, et singulis Christi fidelibus hodie unum annum et in die anniversario consecrationis hujusmodi ipsam visitantibus
centum dies de vera indulgentia in forma Ecclesia consueta concessi.

Der Text der Urkunde lautet übersetzt:
Im Jahre des Herrn 1923, Tag 4 des Monats Februar …in der göttlichen Gnade in München
Ich Michael Kardinal von Faulhaber Erzbischof von München und Freising habe diese Kirche und den größeren Altar in ihr
Ehre der hl. Jungfrau und Märtyrerin Barbara geweiht und ich habe Reliquien der hl. Märtyrer Pacificus, Justus und Colomba
in diesem eingeschlossen und ich habe ein Jahr den einzelnen heute Christusgläubigen und denen, die am Jahrestag der Weihe
auf diese Art dieselben besuchen, hundert Tage von der wahren Gnade in der für die Kirche gewohnten Form zugestanden.

Auszug aus dem Bayerischen Kurier vom 05.Februar 1923
..Mitten im militärischen Viertel Münchens auf Oberwiesenfeld, eingeschoben in militärische Zweck- und Rotbauten,
erhebt sich jetzt die Pfarrkirche der Münchener Militärgemeinde, …

 

Enteignung

Am 1. November 1940 wurde Kirche und Grundstück von den Nationalsozialisten enteignet und fielen der Wehrmacht zu. Sie blieb aber Sitz des Militärpfarrers. Als Militärgeistliche waren u.a. eingesetzt: Balthasar Maier, Wehrkreispfarrer Dekan Lang, Standortpfarrer Innerhofer, Widemann, Dr. Müller sowie im Nebenamt als Militäpfarrer der spätere Mrsg. Wilhelm Bleyer. Aus der Zeit des Krieges berichtete Wilhelm Bleyer in einer Ansprache:

Im Laufe der Kriegsjahre sah ich bei Vereidigungs- und Abschliedsgottesdiensten Tausende von Soldaten, vom einfachen Rekruten bis zum hohen Offizier, die hier vor dem Ausrücken an die Front ihre Gebete verrichteten. Mit der Zeit fanden sich in unserer Kirche auch kriegsgefangene Priester verschiedenster Nationen ein, um hier die hl. Messe zu zelebrieren. Von St. Barbara aus wurden auch die Gottesdienst für die im „Franzl“ (Gefängnis) in der Leonrodstraße Untergebrachten durchgeführt. Mancher von Ihnen suchte hierbei Trost vor seiner Hinrichtung.

 

Wilhelm Bleyer

übernimmt 1947 das Kirchenrektorat von St. Barbara. Unter seiner Leitung wächst eine treue Gottesdienstgemeinde zusammen. 1950 ist es ihm, dem Stadtpfarrer a.D., dank seines zähen Verhandlungsgeschickes gegenüber dem Freistaat Bayern gelungen, dass St. Barbara weiterhin bestehen bleibt. Eine Kirchenstiftung St. Barbara wird wieder eingerichtet.
Am Patroziniumstag, 4. Dezember 1983, stirbt Monsignore Bleyer. Sein ständiger und innigster Wunsch soll uns als verpflichtendes Vermächtnis gelten: „Bleibt der Barbarakirche weiterhin treu! Sie muss erhalten bleiben!“

 

Polnische Gemeinde

In den Jahren 1944/45 erlitt das Kirchengebäude mehrmals Beschädigungen durch Bomben. Nach Behebung der Schäden wurde die Kirche von polnischen Katholiken und Pfarrangehörigen gemeinsam genutzt. Füe etwa 3.000 polnische Christen (ehemalige Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge und KZ-Priester) war sie lange Zeit das Zentrum ihres religiösen Lebens.
Aus dieser Zeit stammen auch zwei Glasfenster in der Kirche: eines zeigt die Mutter Gottes und eines den Patron der polnischen Gemeinde, den heiligen Andreas Bobola.

Die von polnischen Soldaten gestiftete Glocke

Von der polnischen Wachmannschaft gestiftete Glocke

gestiftete Glocke

Im Kirchturm hängt eine Glocke, die von polnischen Soldaten in der US Armee, der Polish Guard by US Army gestiftet wurde. Die Glocken in St. Barbara (insgesamt 3) werden noch immer per Hand geläutet.

Radio Free Europe

Von St. Barbara aus wurden auch an jedem 2. Sonntag bis 1978 die Gottesdienste in polnischer Sprache vom Sender Free Europe nach Polen übertragen.

Kardinal Karol Józef Wojtyla in St. Barbara

Im September 1974 erhielt die Kirche hohen Besuch. Es war der damalige Erzbischof von Krakau, Kardinal Wojtyla und spätere Papst Johannes Paul II. Im 20. Jahr seines Pontifikats (1998) wurde eine Tafel enthüllt, die an diesen Besuch erinnert und dadurch die besondere Verbindung der polnischen Katholiken mit dieser Kirche bekundet.

Verbundenheit

Von 1979 bis 1985 feierte die Polnische Gemeinde in St. Georg und schließlich ab 1985 in St. Josef bis heute ihre sonntäglichen Gottesdienste, weil St. Barbara für die Gemeinde zu klein geworden war. Traditionell wird aber nach wie vor jedes Jahr in St. Barbara zu den polnischen Feiertagen (03.Mai – Verfassung und 11.November – Unabhängigkeit) ein Festgottesdienst in polnischer Sprache gehalten.

Am 04. Dezember 1983 stirbt Monsignore Bleyer. Das Amt des Kirchenrektors übernimmt Übergangsweise Pfarrer Eder und schließlich ab 05. April 1984 ist Pfarrer Peter Höck Kirchenrektor von St. Barbara.

Seit Herbst 2011 sind in der Pfarrei Veränderungen eingetreten. Unser Kirchenrektor, Peter Höck wurde zum Pfarrvikar ernannt und bleibt für St. Barbara weiterhin zuständig. Das Amt des Kirchenrektors hat Pfarrer Sperrer übernommen.

Nagelkreuzzentrum

Der neue Canon for Reconciliation, the Reverend Doctor Sarah Hills, übergab als Vertreterin der Kathedrale von Coventry am 9.11.2014 das Nagelkreuz an unsere Kirche. St. Barbara ist damit ein Nagelkreuzzentrum von über 60 in Deutschland und ca. 160 weltweit. Inhaltlich leitet der dreiteilige Gedanke der Nagelkreuzgemeinschaft jedes Treffen:

  • die Wunden der Geschichte heilen
  • mit Verschiedenheit leben lernen
  • am Frieden arbeiten.
Nagelkreuzort

Nagelkreuz in St. Barbara

Der Stein:

Als Basis für das Nagelkreuz dient ein Stein aus dem Konzentrationslager Flossenbürg, damit man stets an die Gräultaten der damaligen NS Zeit erinnert wird.

Das Holz:

Zur fixierung des Nagelkreuzes in dem Basisstein wurde ein Holz aus den alten Balken des Münchner Frauendoms genommen. Dies soll unsere Verbundenheit zu unserer Stadt München zeigen und dass hier die Nagelkreuzgemeinschaft München ihren Platz hat.

Das Kreuz:

Direkt aus Coventry kommend ist das Nagelkreuz, welches drei Balken-Nägel der zerbombten, alten Kathedrale von Coventry symbolisiert, dient es uns als Zeichen und Erinnerung, dass man Versöhnung ständig wach in den Köpfen der Menschen halten muss.